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THORSTEN DANNER IM CORONA-BLUES

„Ein Meisterwerk“ nannte die Rheinpfalz den ersten Film dieser Reihe mit Monika Margret-Steger. Ihr Schauspielerkollege Thorsten Danner führt den Dialog weiter. Eine lockdownkonforme 1 zu 1 Situation zwischen Danner und dem fragenden und filmenden Topchi. Den Schnitt des umfangreichen Materials und das Endergebnis besorgten seine langjährigen künstlerischen Begleiter Tatiana und Artem Gratchev. Topchi ist (wie im ersten Film) nicht zu sehen und zu hören. Zwei freischaffende Theatermacher in der Existenzkrise auf Augenhöhe: Heyme-Mitarbeiter, Regisseur, Kameramann und Schauspieler Limeik Topchi („Der Sturm“, „Flirt mit dem Tod“, „Nathan der Weise“ und vieles mehr.) Thorsten Danner, Kosminski-Mitarbeiter, Erfahrungshorizonte am Stuttgarter Staatstheater, Mannheimer Nationaltheater, in Österreich und an vielen weiteren renommierten Theateraltären. Beide für diesen Film jetzt im ausrangierten alten Volksbad in Mannheim. Pass genau zur Hygieneverkonzeptionierung des öffentlichen Lebens. Zwischen gewaltigen Leitungsrohren und Badekabinen mit Emaillewannen. Thorsten Danner „leibt und lebt“ im ersten Teil des Films gewissermaßen in einem Hygienebunker. Macht sich wach, treibt ein bisschen Yoga, stellt sich vor, bettet sich in eine Badewanne: „Wenn die Spinnen über mich wachsen, bitte macht sie in einem Monat wieder weg … es hört nicht auf!“ Danner hört Stimmen (wie von einem unsichtbaren Publikum) … es zieht ihn als Vollblutschauspieler zum Publikum. In eine Rolle. Und er findet sich im zweiten Teil des kurzen Films auf einer leeren Bühne. Sitzt auf einem Stuhl, isst eine Kleinigkeit, verschluckt sich, hält in der einen Hand eine Pistole. Was er damit wohl vor hat? Gut, dass seine Eltern gesund sind. Dass er seit Langem keine Grippe gehabt hat. Gut der Abstand beim Einkaufen. Was einem alles NICHT fehlt! Was einem plötzlich noch wichtiger geworden ist! Einsamkeit und Zweifel: Wie viele Theater werden sterben? Wird er, Danner, seinem Beruf noch nachgehen können? Wann wird das sein? Als Lieferando-Kurier, als „Pixel auf der Weltkarte des Kapitalismus“ wird er nicht enden. Auf keinen Fall! Verrenken, erniedrigen? Doch nicht Thorsten Danner! Hoffnung? Aktuell: Morgens Yoga, abends Schnaps. Und langfristig? Schauspieler sein, hinter irgendeiner Bezahlschranke! Das Projekt „Kreative Interviews“ wird vom Kulturamt der Stadt Mannheim gefördert. Künstler*innen werden Fragen zu ihren persönlichen Erfahrungen und Zukunftsperspektiven während und nach dem Lockdown gestellt.